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Kirchlicher Sozialdienst: Am Flughafen geht niemand verloren

Ob Passagiere in Frankfurt stranden, Deutsche aus dem Ausland hierher abgeschoben werden oder Obdachlose am Flughafen „wohnen“: Der Kirchliche Sozialdienst hilft unbürokratisch weiter.

Anlaufstelle für gestrandete Passagiere und andere Menschen, die am Flughafen in Not geraten: Bettina Janotta vom Kirchlichen Sozialdienst. Foto: Ilona Surrey
Anlaufstelle für gestrandete Passagiere und andere Menschen, die am Flughafen in Not geraten: Bettina Janotta vom Kirchlichen Sozialdienst. Foto: Ilona Surrey

Aus dem Urlaub gekommen, Flieger verspätet, Zug nach Hause verpasst – das ist noch harmlos. Was aber, wenn man den Anschluss an den Überseeflug verpasst? Was, wenn jemand nach Südamerika oder Asien will und feststellen muss, dass mit den Reisepapieren etwas nicht stimmt? Was, wenn das ganze Geld weg ist und die Airline kein Ersatzticket ausstellt? Oder wenn man sich nicht verständigen kann?

In solchen Notlagen hilft der „Kirchliche Sozialdienst für Passagiere“. Das Königsblau der Diakonie markiert die Räume im Abflugbereich des Terminals 1, denn das Diakonische Werk für Frankfurt ist Träger der Einrichtung.

Das Paket kam nach Nicaragua nicht mehr mit

Im Büro steht heute ein großes mit Klebeband verschnürtes Paket. Darauf kompliziert aussehende Frachtpapiere. „Das schicken wir nach Nicaragua“, sagt Leiterin Bettina Janotta. Der Mann, dem es gehört, hatte einige Zeit in Spanien gearbeitet und wollte mit vielen Geschenken nach Hause zurückkehren. Doch sein Zubringerflug hatte Verspätung. Und so versäumte er den aus Frankfurt startenden Überseeflug. Etliche Anrufe bei der Fluggesellschaft und Tage später konnte er auf einen anderen Flug umgebucht werden, aber das Paket ging nicht mehr mit. Nun wird es ihm nachgeschickt.

Menschen, die Probleme mit dem Ticket haben, die durch Falschinformationen über Visabestimmungen nicht weiterkommen oder von Verspätungen aufgehalten werden, machen eine große Gruppe derer aus, für die der Sozialdienst zuständig ist. Das kann durchaus auch mal ein Geschäftsmann sein, der beim Sozialdienst seine Familie oder seinen Arbeitgeber anrufen kann, damit diese das nötige Geld für ein neues Ticket schicken.

Bei mittellosen Menschen tritt das Frankfurter Sozialamt ein. Dafür hat Bettina Janotta großes Lob. „Menschen, die mit Frankfurt gar nichts zu tun haben, erhalten so Hilfe “, sagt sie. Wer sich dann einige Tage am Flughafen aufhalten muss, erhält eine Bescheinigung vom Sozialdienst, damit die Sicherheitskräfte ihn nicht des Flughafens verweisen. Denn ohne Ticket darf eigentlich niemand die Nächte hier verbringen.

Manche Menschen „wohnen“ am Flughafen

Und doch gibt es auch Menschen, die sozusagen am Flughafen Frankfurt „wohnen“. „Das gibt es nicht nur im Film“, bestätigt Janotta. Wenn der Sicherheitsdienst solche Menschen trifft, bringt er sie meist zum Schalter 700.1 in der Abflughalle, den ehrenamtliche Helferinnen und Helfer für den Kirchlichen Sozialdienst besetzen. Dann macht sich eine der drei hauptberuflichen Sozialberaterinnen auf den Weg, um erst einmal zu klären, wie der jeweilige Fall liegt. Meist laden sie den Betreffenden ein, mit ihnen in die Beratungsräume zu kommen, wo ein Gespräch in geschützter Atmosphäre möglich ist.

Etwa fünfzig Menschen, so vermutet man, leben dauerhaft zwischen Ferienreisenden und Geschäftsleuten. Sie ernähren sich von dem, was eilige Passagiere wegwerfen, und verbringen die Nacht an einem der 18 Plätze, die Fraport und die Sicherheitsdienste kennen und regelmäßig kontrollieren. Das ist zum Beispiel der Flaschensammler, der hier schnell seinen Plastiksack füllen und damit ein kleines Einkommen erzielen kann. Oder der alte Mann, der nach dem Tod seiner Frau jeden Halt verloren hat und unterernährt, ungepflegt und erschöpft in einer Ecke kauert.

Auch „heimgekehrte Deutsche“ brauchen manchmal Hilfe

Ein dritter Personenkreis, der beim Kirchlichen Sozialdienst Hilfe findet, umfasst Deutsche, die aus dem Ausland zurück „nach Hause“ kommen, aber hier erst einmal wieder ein Zuhause finden müssen. Oft sind sie vor Gefahren geflohen, wie jüngst eine deutsche Familie aus Syrien. Viele dieser Menschen sind von den Botschaften oder Konsulaten irgendwo in der Welt in einen Flieger gesetzt worden, bisweilen sind sie psychisch krank, drogenabhängig oder haben keine Angehörigen. Die Hilfe des Sozialdienstes besteht hier meist in einem klärenden Gespräch und der Weitervermittlung an andere soziale Dienste oder Unterkünfte.

„Dramatische und bewegende Schicksale begegneten einem hier Tag für Tag“, sagt Bettina Janotta. Umso mehr freuen sich die Beraterinnen über so manches Dankeschön. Zum Beispiel über die Karte, die eine Ordensschwester aus Asien geschickt hat, und in der sie sich bei jeder einzelnen Frau bedankt, mit der sie in Frankfurt sprechen konnte. Und auch über das Gemälde an der Wand in Bettina Janottas Büro: Geschickt hat es eine mittellose kubanische Malerin, der der Sozialdienst zur Heimreise verholfen hatte.

So kann man sich ehrenamtlich engagieren:

Für den Dienst am Schalter im Terminal sucht der Kirchliche Sozialdienst für Passagiere sucht weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Wer Interesse hat, muss Englisch sprechen, kontaktfreudig sein, und die Bereitschaft mitbringen, nach einem Bewerbungsgespräch zunächst zu hospitieren.

Informationen unter Telefon (0 69) 69 05 02 01


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Autorin

Lieselotte Wendl ist freie Journalistin und Autorin.