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Glauben wird in Frankfurt international verstanden

Tagung von Stadtsynode und Regionalversammlung im Dominikanerkloster

Public-Voting zu den Themen für den Ökumenischen Kirchentag
Public-Voting zu den Themen für den Ökumenischen Kirchentag

Worum soll es bei dem Ökumenischen Kirchentag gehen, zu dem 2021 in Frankfurt rund 130.000 Dauerteilnehmer und –teilnehmerinnen erwartet werden: „Glauben international“, gefolgt von „Christlicher Fußabdruck in der Stadt heute“ und „Stolpersteine der Ökumene“ – diese Stichworte haben zumindest die Delegierten von evangelischer Stadtsynode und Regionalversammlung bei ihrer gestrigen Sitzung im Dominikanerkloster im Rahmen eines Online-Votings auf die Plätze eins bis drei gewählt. Wie der gesamte Themenfindungsprozess stattfindet und welche organisatorischen Fragen anstehen, hat das ökumenisch besetzte Team Hauptamtlicher, das in den vergangenen Monaten begonnen hat, die Großveranstaltung vorzubereiten, den Delegierten in der Sitzung vorgestellt. Ökumene sei möglich, aber auch nötig, so ein Kernsatz von Pfarrerin Miriam Küllmer-Vogt, Beauftragte der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), bei der Präsentation des Konzeptes und der geplanten Schritte. Punktuell würden im Vorfeld der Großveranstaltung auch schon erste Anzeichen im Stadtbild sichtbar – wie eine Verhüllung des Turms der am Mainufer gelegenen evangelischen Dreikönigskirche, kündigte das Team an.

„Online-Voting“, „Arbeit in Gruppen“ – manche Premiere erlebten die Delegierten bei der gestrigen Tagung. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Personalberatung, Organisationsentwicklung und Supervision der EKHN – IPOS waren diese Elemente in den Ablauf integriert worden, mit dem Ziel, die Debatte nicht nur frontal mit Blick aufs Rednerpult zu führen. Dies sei nicht nur als einmaliges Experiment gedacht, sondern könne – so es angemessen ist – auch in Zukunft zum Einsatz gekommen, sagte Präses und Versammlungsleiterin Irmela von Schenck.

Gemeinsamer Haushalt kommt im Januar 2019

Es war die letzte Sitzung in dieser Konstellation, zum 1. Januar 2019 gehen die evangelischen Kirchen von Frankfurt und Offenbach zusammen. Zu den letzten Schritten, die in diese Richtung vollzogen worden, gehört die Aufnahme der 1699 nach dem Zuzug von Hugenotten gegründeten Französisch-reformierten Gemeinde Offenbach am Main, die gestern auf deren Antrag hin beschlossen wurde. Es handelt sich dabei um eine Personalgemeinde, das heißt die Mitglieder zählen nicht aufgrund ihres Wohnortes dazu, sondern haben sich persönlich dafür entschieden, ihr anzugehören. Nach dem gestrigen Beschluss gehören ab dem 1. Januar 2019 elf Offenbacher und 58 Frankfurter Gemeinden zu der evangelischen Kirche von Frankfurt und Offenbach.

In dem Bericht des evangelischen Stadtdekans Achim Knecht, der den Delegierten vorlag, wurde darauf hingewiesen, dass bei der ersten Sitzung der neu zusammengesetzten Stadtsynode – am Samstag, 26. Januar 2019 – auch der erste gemeinsame Haushalt zur Beschlussfassung vorgelegt werde. Die entsprechenden Vorbereitungen seien gemeinsam getroffen worden. Zu den weiteren Punkten seines Berichts gehörte die Information, dass der Vorstand die Übernahme der Großunterkunft für Flüchtlinge „Am Poloplatz 9“ in Frankfurt-Niederrad beschlossen hat. Die Diakonie Frankfurt im Evangelischen Regionalverband wird sich um die für 240 Personen angelegte Bleibe kümmern, der Fachbereich I: Beratung, Bildung, Jugend des Evangelischen Regionalverbandes übernimmt in der Einrichtung Beratungsaufgaben.

Knecht informierte auch, dass der Vorstand die unter der Federführung von Prodekanin Ursula Schoen erarbeitete Konzeption „Kirchenmusik“ beschlossen habe, nun gehe es um die Konkretisierung wie Aufgabenverteilung. Der Stadtdekan betonte: „Kirchenmusik ist Gotteslob und Verkündigung“.

Austausch mit Muslimen in Frankfurt und Solidarität mit Erdbebenopfern in Indonesien

In dem vorgelegten Bericht äußerte sich Stadtdekan Knecht auch über eine christlich-muslimische Dialogveranstaltung, die im November im Dominikanerkloster stattfand. Rund 40 Vertreterinnen und Vertreter verschiedener muslimischer Organisationen konnten er, Präses von Schenck, Prodekanin Schoen, Prodekan Holger Kamlah, die Pfarrerin für interreligiösen Dialog Susanna Faust Kallenberg und Mitglieder des für Interreligiöses zuständigen Ausschusses begrüßen. Ein Schwerpunkt des Austausches war das Thema „Jugend“, Stadtjugendpfarrer Christian Schulte hat bei dieser Veranstaltung nicht nur die eigene Arbeit erläutert, sondern auch von einem Modellprojekt berichtet, an dem fünf Moscheegemeinden beteiligt sind und das er begleitet. Ein Fazit des Stadtdekans: Es ist gut, wenn die evangelische Kirche auch den innermuslimischen Dialog befördern kann. Neben Jugendarbeit waren Menschenrechte und Rechtspopulismus Themen des Treffens mit muslimischen Verbänden.

Zu den evangelischen Kirchengemeinden Frankfurts gehört seit 2005 auch die Evangelische Indonesische Kristusgemeinde Rhein-Main. Viele ihrer Mitglieder stammen aus der protestantischen Kirche in Donggala, die zusammen mit ihren Mitgliedern stark von dem Erdbeben und dem Tsunami betroffen war, die am 28. September die indonesische Region Zentralsulawesi erschüttert haben. Tausende von Toten forderte das Beben, in einer Kirche seien 176 Menschen lebendig begraben worden, noch heute seien rund 200.000 Menschen obdachlos, berichtete die Pfarrerin der Frankfurter Gemeinde, Junita Rondonuwu Lasut, die selber aus der Gegend stammt. Zum Gedenken an die Opfer der Erdbebenkatastrophe erhoben sich die Delegierten der Synode für eine Schweigeminute, eine Spendenbox kreiste. Am kommenden Wochenende habe die Gemeinde den Kirchenpräsidenten der Kirchenregion Donggala zu Gast, erwähnte die Pfarrerin der Kristusgemeinde. Alexander Z. Rondonuwu wird am Sonntag um 14 Uhr in der evangelischen Alten Nikolaikirche auf dem Römerberg predigen.


Autorin

Bettina Behler 37 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach