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Frankfurt und Offenbach liegen evangelisch gesehen an einer Strecke

Rund 200 Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft kamen zum Neujahrsempfang der Evangelischen Kirche in Frankfurt am Main.

v.li. Johannes zu Eltz, katholischer Stadtdekan, Propst Oliver Albrecht, Präses Irmela von Schenck, Bürgermeister Uwe Becker, Prodekanin Ursula Schoen, Bürgermeister Peter Freier, Achim Knecht, evangelischer Stadtdekan  I  Foto: Rolf Oeser
v.li. Johannes zu Eltz, katholischer Stadtdekan, Propst Oliver Albrecht, Präses Irmela von Schenck, Bürgermeister Uwe Becker, Prodekanin Ursula Schoen, Bürgermeister Peter Freier, Achim Knecht, evangelischer Stadtdekan I Foto: Rolf Oeser

„Der Weg zum lieben Gott ist von Offenbach und Frankfurt aus gleich weit“ - für diesen Ausspruch hat heute Frankfurts Bürgermeister, Kämmerer und Kirchendezernent Uwe Becker beim Neujahrsempfang der Evangelischen Kirche in Frankfurt am Main im Dominikanerkloster so manchen Lacher kassiert. Um Wege und um Frankfurt und Offenbach ging es in einigen der Beiträge, die die rund 200 Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft zu hören bekamen. „Aus zwei mach eins“, „Keep it simple“ – zwei Ausdrücke, mit denen die oberste Ehrenamtliche der Evangelischen Kirche in Frankfurt am Main, Versammlungsleiterin Irmela von Schenck, in ihrer Begrüßungsrede das zukünftige Zusammengehen beschrieb. Ziel sei es, die Arbeit zu bündeln, um sie wirkkräftiger im Interesse aller zu machen, so von Schenck.

Im neuen Jahr gehen die evangelischen Kirchen beider Städte zusammen. Der aus dem Lateinischen stammende Ausdruck „Advent“ heiße zu Deutsch Ankunft, daran erinnerte der evangelische Stadtdekan Achim Knecht in seiner Rede vor den Gästen in der Heiliggeistkirche, zu denen unter anderem auch der hiesige DGB-Vorsitzende Philipp Jacks, der Frankfurter CDU-Fraktionsvorsitzende Michael zu Löwenstein sowie der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz und Daniela Marschall-Kehrel, die Vorsitzende der Stadtversammlung Frankfurter Katholiken, zählten. Von einem Schlusspunkt oder dem Ende eines Prozesses sprach Knecht jedoch nicht, eher von einem Unterwegssein, das im neuen Kalenderjahr eine neue Form annimmt. Die Kirche sehe er in einer Situation „produktiver Verunsicherung“, äußerte der Stadtdekan. Vernetzt und mit anderen verbunden sei sie unterwegs.

2013 habe die Regionalversammlung erstmals über ein mögliches Zusammengehen gesprochen, nach dem Beschluss der Landessynode sei von den Verantwortlichen in beiden Städten engagiert daran gearbeitet worden, dieses Zusammengehen „konstruktiv zu gestalten“, so Knecht. Ihm gefiel der Beitrag des jungen Offenbacher Poetry Slammers Samuel Kramer, der temporeich anhand der Nahverkehrsverbindungen beider Kommunen vom Ankommen und noch mehr vom Unterwegssein sprach. Vom Offenbacher Kaiserlei und vom Frankfurter Mühlberg war die Rede, von den Offenbacher Kickers und der Frankfurter Eintracht. Aufbruch und nach Hause kommen – Kramer brachte das in einem Atemzug hervor, Wortspielereien, in denen Hooligans und Hugenotten vorkamen, paarte Kramer, der 2016 zum besten hessischen Poetry Slammer gekürt worden war.

Es ist vorgesehen, dass die Frankfurter Prodekanin Ursula Schoen 2019 ihren Zuständigkeitsbereich in Richtung Offenbach verlagert. Ihr Kollege Prodekan Holger Kamlah soll über den Nordwesten hinaus einen Teil der Verantwortlichkeit in Frankfurts Stadtmitte übernehmen, während sie dann ihren Bereich gen Offenbach erweitern und Ansprechpartnerin für die dortigen Gemeinden werden soll – neben ihren Aufgaben in Frankfurts Südosten. Sie schätze die große Liberalität der Kirche in Offenbach, sagte Schoen, die neben Becker und Offenbachs Bürgermeister Peter Freier an einer Talkrunde teilnahm, die hr-Urgestein Frank Lehmann moderierte.

Ein politisches Zusammengehen beider Städte sahen die Bürgermeister nicht am Horizont, dem Satz Freiers „untereinander hat sich die Tonalität deutlich geändert“, widersprach Becker jedoch nicht. Auch er betonte, dass beide Städten nicht nur in Sachen Kaislerlei-Bebauung kooperieren.

Der Neujahrsempfang der Evangelischen Kirche in Frankfurt am Main findet traditionell am Ersten Advent statt, denn an diesem Tag beginnt das neue Kirchenjahr. Dieses Mal waren bei dem Auftakt auch eine Reihe Vertreterinnen und Vertreter der Evangelischen Kirche in Offenbach dabei, darunter die stellvertretende Dekanin Amina Bruch-Cincar. Der für Offenbach und Frankfurt zuständige Propst Oliver Albrecht berichtete, in Offenbach-Bürgel habe er dieser Tage an einem Gottesdienst teilgenommen, in dem feierlich die alte Konstellation verabschiedet worden sei. „In fröhlicher Hoffnung auf das Neue ist man beisammen gewesen“, so der gebürtige Offenbacher Albrecht, der heute seinen Dienstsitz in Wiesbaden hat. Blumensamen seien den Menschen mit auf den Weg gegeben worden - zur Aussaat in Offenbach und Frankfurt.

Frankfurt und Offenbach gehen zusammen - Was meinen die Bürgerinnen und Bürger dazu? - Wir haben auf der Straße gefragt


Autorin

Bettina Behler 37 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach